Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Der Bildungsreferent Kärntens Uwe Scheuch

hält es für sinnvoll und gut, mittels "kleiner Tetsch´n" zu erziehen und damit den Lehrern (ich gehe jetzt einmal davon aus, dass er dabei auch die Lehrerinnen gemeint hat) mehr "Durchgriffsrechte" an der Schule zu verschaffen.

Was immer unter "Durchgriffsrechten" zu verstehen ist: gewaltfrei sind sie sicherlich nicht. Und da der Gewaltverbotsparagraph 146a ABGb auf ihn offensichtlich nicht durchgegriffen hat - wie denn auch, so ganz ohne Gewalt - schlägt Herr Scheuch doch tatsächlich einen Rechtsverstoß als pädagogische Maßnahme vor. Weil die "Tetsch´n" ja laut Herrn Scheuch von der "Watsch´n" ganz klar zu differenzieren ist, holt er noch ein bisschen weiter in dieselbe Richtung aus: Das Durchgreifen könne ja auch als Nachsitzen oder Strafarbeit ausgeführt werden.

Dass auch dieses verboten ist, ist ihm offenbar ebenfalls entgangen. Selbst wenn Herr Scheuch nun - erfolglos - versucht, wieder zur Gesetzestreue zurückzukehren und seinen Aufruf zur körperlichen Gewalt zu bagatellisieren, indem er die nicht-körperliche Gewalt als Alternative vorschlägt: Dieser "Gewaltverzicht" in der Erziehung aus dem Motiv, ein gesetzestreuer Bürger zu sein, ist nicht nur für einen Bildungsreferenten, sondern für jede und jeden, der mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat (und wer hat das nicht?) nicht nur zu wenig, sondern untragbar. Denn wer nur aus Angst vor Strafe das tut, was dem menschlichen Zusammenleben förderlich ist, ist zwar vielleicht gehorsam, aber nicht mündig, nicht eigenverantwortlich, und handelt unethisch.

Dem Erziehungskonzept von Herrn Scheuch folgend wäre er jetzt aufzufordern, sich in die Ecke zu stellen und sich zu schämen. Ich bezweifle allerdings, ob ihm das nützlich wäre - die Chance ist groß, dass er dann vielleicht weiterhin meinen könnte, es hätte ihm nicht geschadet. Gerne aber würde ich Herrn Scheuch statt dessen mehr über den Zusammenhang zwischen Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung wissen lassen, denn ich setze auf Bildung in allen ihren Dimensionen statt auf Gewalt.

Wie auch immer, Herr Scheuch als Person und Persönlichkeit ist nicht mein Anliegen erster Priorität. Mein Anliegen ist, das, was wir seit Jahrhunderten aus der humanwissenschaftlichen und ganz aktuell auch aus der neurowissenschaftlichen Forschung wissen, unter die Leute zu bringen: Gewalt in der Erziehung ist die Bankrotterklärung der Erwachsenen und schädigt die Entwicklung jedes Kindes nachhaltig. Die Belege dafür sind zahlreichst unter uns.

Dr. Brigitte Sindelar Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien

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