Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unsererZeitung KINDERSCHUTZAKTIV.

Gespräch über das Leben und den Tod in einer Kindergartengruppe

Für Philip

Dienstag, den 24. Januar 2012

Heute morgen gibt es in unserer Kindergartengruppe zwei Kindergärtnerinnen, um die Kinder zu empfangen: Cathalijne, die normalerweise immer am Dienstag arbeitet und ich. Wir fangen den Tag ausnahmsweise zu zweit an, um mit den Kindern den Tod des 4-jährigen Philip aus der Nachbargruppe zu besprechen.

Wir sind natürlich alle sehr niedergeschlagen von der Tatsache, dass Philip gestern gestorben ist. Philip hatte Leukämie. In einem Moment spielten die Kinder noch zusammen mit dem Philip am Spielplatz und im nächsten Moment müssen sie damit fertig werden, dass er tot ist.

Die Kinder haben zu Hause schon gestern darüber gesprochen: die Eltern wurden mittels Emailnachricht verständigt. Die Kinder wissen also Bescheid. Als wir im Morgenkreis beginnen, müssen einige Kinder sofort los werden, dass der Philip gestorben ist. Die anderen nicken dazu: Ja, es stimmt, sie hätten das auch erfahren.

Damit sind wir sofort beim Thema, das uns alle beschäftigt: Begraben werden (dann kommst du in eine Kiste, sagt der Hidde) und dann doch nachher im Himmel bei Gott sein: wie ist so etwas überhaupt möglich?

Aber diese Gruppe wäre nicht sie selbst, fände sie für dieses Problem keine Lösung. Miteinander wird folgendes herausgefunden: „Die Knochen und der Körper bleiben in der Kiste“ (das sagt die Puck). „Du bist ganz still. Du machst nichts mehr“ (die Melisa). „Du liegst in Deiner Schatztruhe“ (die Vera).

„Dann steigt der Geist empor, aus dem Körper heraus, der ist “weiss-artig”, ein bisschen flaumweich, flauschig, wie Watte, eine Art Engel“ (das meint Jonah ) „und der ist dann bei Gott, zusammen mit den Grossvätern und Grossmüttern (wie der Opa Nono, sagt Emilia) und manchmal einer Schwester“ (meldet sich Jonah), „oder Nachbarin oder Tante oder Hund (fügt Wessel hinzu), die schon im Himmel wohnen. Und dort hat niemand mehr Schmerzen und ist es hell und schön.“

So, die Lösung ist gefunden. Wir vermissen den Philip schon sehr, aber bei Gott ist er nicht mehr krank und Gott sorgt gut für ihn.

Es ist erst 9.00 Uhr, aber hier in der Gruppe haben wir schon eine tüchtige Arbeit geleistet. Und das, obwohl doch eigentlich erst später die Sprach- und Rechenproben abgehalten werden …
Und gesprochen mit Gott haben wir natürlich auch. Ein gutes Wort eingelegt für den Philip, der im grossen Turnsaal so gern den Wolf spielen wollte, als wir das Spiel Rotkäppchen und der Wolf aufführten. Mit zwei Hilfswölfen fiel es ihm leicht, das Rotkäppchen zu erhaschen …

Aber eigentlich braucht der Philip überhaupt keine Fürbitte, bei niemandem. Da droben freut man sich über alle Maßen, wenn er dort eintrifft … da sind wir ganz sicher.

Hanneke van der Louw
Lehrerin an der Prinses Beatrix School
in Heemstede Guppe ½ Holland

 

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