Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unsererZeitung KINDERSCHUTZAKTIV.

Sommerzeit – Lesezeit

Eva Wallner hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit am Institut für Geographie und Regionalforschung untersucht, ob auch Bilderbücher als Medien der Wissensvermittlung dienen können -. dabei hat sie auch einige interessante Erkenntnisse aus der Literatur gewonnen, die wir Ihnen zur Kenntnis bringen wollen.

Bilderbücher bieten die Möglichkeit einer umfassenden Kommunikation und können bei Kindern Lernimpulse aktivieren (vgl. LIEBER und SCHNELL 2008, S. 104). Zweifellos werden Kinder durch die Verwendung von Bilderbüchern in ihrer Entwicklung nachhaltig geprägt. LIEBER und SCHNELL legen anhand von sechs verschiedenen Bereichen dar, welchen Einfluss Bilderbücher auf den Bildungsprozess ausüben können. Bilder spielen demnach eine bedeutende Rolle (vgl. LIEBER und SCHNELL 2008, S. 105f.):

… bei der Entwicklung von Literalität:

Da Bilderbücher auch gemeinsam mit Erwachsenen gelesen oder betrachtet werden sollten, können Kinder im Rahmen einer Eltern-Kind-Konversation ihren Wortschatz spielerisch erweitern. Eine Text- Bildkombination ermöglicht es den Kindern den Text besser zu verstehen, da die eingesetzten Bilder als Unterstützung empfunden werden. Durch diesen Prozess wird ein Text-/Bild-Sinn-Verständnis aufgebaut, wobei vor allem das Verstehen von Buchstaben, Bildzeichen und Schrift im Vordergrund steht.

… bei der Entwicklung der Bildliteralität:

Die Kinder lernen die verschiedenen Möglichkeiten der Gestaltung und Anordnung von Bild und Text. Sie erlangen die Fähigkeit, die ästhetische Wirkung von Text-Bild-Kombinationen kritisch zu betrachten und in ihrer eigenen Gestaltung wirkungsvoll einzusetzen.

… bei der Entwicklung multiperspektivischer Bildungsaspekte

In Bilderbüchern werden alle Themen, aktuelle aber auch schwer verständliche und heikle Themenbereiche wie Gewalt, Sexualität und Tod behandelt. Es wird versucht, den Kindern auf diese Weise eine Perspektivenvielfalt der Welt zu präsentieren, wobei vor allem auf einen sensibilisierten Zugang geachtet wird. Dabei entstehen Fragen und Problemstellungen, die wiederum die Eltern oder Lehrenden fordern, diese kompetent im Zuge einer Eltern-Kind-Konversation zu klären.

… bei der Entwicklung multimodaler Bildungsaspekte:

Für die Entwicklung von Kindern ist es besonders förderlich, wenn sie ihre Umwelt anhand möglichst verschiedener Sinneseindrücke erleben. Das Bilderbuch eignet sich gut, um möglichst viele Sinne bei der Wahrnehmung anzusprechen. Vor allem ästhetische Zugangsweisen zum Bilderbuch eröffnen den Kindern eine multimodale Perspektive.

… bei der Entwicklung emotionaler und sozialer Bildung:

Der Einsatz von Bilderbüchern aktiviert bei Kindern sowohl das „innere“ als auch das „äußere“ Sehen. Dadurch wird die Phantasie und Abstraktionsfähigkeit angeregt und gefördert. Kinder lernen durch emotionale Geschichten aus Bilderbüchern ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle zu äußern und vermischen diese mit Geschichten und Bildern aus dem Bilderbuch. Die Fähigkeit sich über die eigenen Gefühle bewusst zu sein, diese auszudrücken bzw. Gefühle anderer deuten und interpretieren zu können, ist eine grundlegende Kompetenz, die wiederum zur Entwicklung einer sozialen Kompetenz bei Kindern beiträgt.

… bei der Entwicklung ästhetischer Bildung:

Bilderbücher können anhand verschiedener Sinne erfasst werden und auf diese Weise die Wahrnehmung fördern. Zum Beispiel kann eine spannende Geschichte so fesselnd sein, dass die Beobachter in den Prozess des Staunens versinken. Dabei erfolgt eine detaillierte und entdeckende Wahrnehmung, wobei Besonderheiten extrahiert werden, die innere Bilder erzeugen. Es werden auch Irritationen geschaffen, wobei Fremdes als bekannt erscheint und Bekanntes aus einer anderen Perspektive neu entdeckt wird.

Wie aus den angeführten Punkten zu entnehmen ist, stellen Bilderbücher ein optimales Medium für Kinder dar. Auf diese Weise erfolgt bereits sehr früh eine bewusste und intensive Auseinandersetzung mit dem Medium „Bild“. Die Kinder lernen meiner Meinung nach auf eine spielerische Art mit Bildern umzugehen und aus ihnen Informationen abzuleiten. Der Wirkungseffekt von Bilderbüchern sollte demnach in der frühkindlichen Förderung nicht vernachlässigt werden, da meiner Ansicht nach bereits eine fundierte Basis für die spätere, so bedeutende Entwicklung einer Bild- und Medienkompetenz gelegt werden kann.

 

Frau Mag. Eva Wallner hat ihr Studium der Geographie und Wirtschaftskunde sowie der Ernährungswissenschaft (Lehramt) abgeschlossen und wird im kommenden Schuljahr ihre Schulpraxis beginnen.

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