Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unsererZeitung KINDERSCHUTZAKTIV.

Gedanken über die Vorbildwirkung von Erwachsenen

oder Peter Staudinger übt sich in Sarkasmus

Was ist los mit unserer Jugend? Klagen über die Jugend – egal zu welcher Epoche - gibt es offenbar seit jeher. Aber heute wissen wir, dass soziales, humanitäres und gewaltfreies Verhalten hauptsächlich durch Vorbildwirkung erzielt wird, und wir als Erwachsene tun doch alles, um der Jugend ein leuchtendes Vorbild zu sein - oder?

Werfen wir doch einen Blick auf die heutige Welt der Erwachsenen, die ja eigentlich eine Vorbildwelt für unsere Jugend sein sollte. Wir werden heute durch die modernen Medien über alle Vorgänge in der Welt praktisch in Echtzeit informiert und sind von diesen – ob uns das jetzt bewusst ist oder nicht auch direkt betroffen. Da hört man natürlich Schlimmes von Selbstmordattentätern und allen möglichen Wahnsinnstaten selbsternannter Heilsbringer und Fundamentalisten. Aber alle diese negativen Ereignisse scheinen für die meisten von uns weit weg zu sein. Wir leben doch in der abendländischen von Aufklärung, Humanismus und Christentum geprägten Tradition. Allerdings, um uns vor den Gefahren des Terrorismus zu schützen, scheint es Entscheidungsträgern und nicht nur diesen zunehmend notwendig, die Überwachung der Bürger immer mehr auszudehnen und auch weitere vorauseilende Maßnahmen zum Schutz unserer traditionellen Werte zu treffen. Leider passiert es dann schon einmal, dass man in einen Krieg zieht, unter der falschen Annahme einer Bedrohung. Das kostet einigen tausend mehrheitlich jungen Menschen das Leben, aber wären sie nicht ohnehin schon tot, könnten sie sich damit trösten, dass sie beinahe für eine gute Sache gestorben sind – das zumindest wird versucht, den Überlebenden zu suggerieren. Leider zwingt der Kampf gegen den Terror manchmal auch rechtsstaatliche Systeme dazu, Menschen zu entführen, ohne Anklage vor einem ordentlichen Gericht einzusperren und „wenn es sein muss“ auch zu foltern. Dass dabei auch völlig Unschuldige betroffen sein können, wird von Fall zu Fall als höchst bedauerlich hin gestellt. Leider hat es Kriege immer gegeben und es wird sie immer geben. Um noch Schlimmeres zu verhindern, wurden daher Regeln für den Krieg geschaffen. Zivilisten erschießen, beispielsweise, gilt als Kriegsverbrechen. Werden sie aber durch Bomben getötet, dann ist es höhere Gewalt, ein leider unvermeidlicher Kollateralschaden. Leider existieren auf der Welt noch immer jede Menge Atomwaffen. Bei ihrem Einsatz geht es dann nicht mehr nur um Kollateralschäden, denn diese töten nicht nur alle Menschen sondern auch Katzen, Hunde, Kanarienvögel und vermutlich sogar Regenwürmer und das ist - zumindest vom Tierschutzgedanken her - sicherlich bedenklich.

Idole gibt es in unseren westlichen Kulturen aber nicht nur im Bereich militärischer Ränge. Vorbildträger sind auch die Eliten aus Wirtschaft und Politik. Im Augenblick sind diese vielleicht nicht so gut als Vorbild geeignet. Sie haben die Wirtschaft an die Wand gefahren, und leider wissen selbst die an Eliteschulen ausgebildeten Fachleute keinen Ausweg. Manche haben sich sogar zu kriminellen Taten und Korruption hinreißen lassen. Aber um den Umweltschutz kümmern sie sich rührend. So kommen jedes Jahr Spitzenpolitiker aus aller Welt zusammen und beraten. Dass sie zu keinem Ergebnis kommen, liegt nur daran, dass sie diese schwierige Materie gewissenhaft behandeln und nicht übers Knie brechen wollen. Zum Glück gibt es noch die Rüstungsindustrie. Auf die kann man sich auch in Krisenzeiten verlassen.

Zwar können wir in diesen schweren Zeiten den jungen Menschen natürlich nicht sagen, ob sie einmal einen Job bekommen werden und wie ihre Altersversorgung aussehen wird. Aber dass sie bis ins hohe Alter arbeiten werden müssen, das zumindest können wir ihnen garantieren. Noch etwas wird derzeit den jungen Menschen deutlich gemacht: Nicht jeder kann alles studieren, was er möchte und schon gar nicht um unsere Steuergelder.

Bietet sich noch der Sport in seiner Vorbildfunktion an, wenn es darum geht, die Jugend auf den rechten Weg zu bringen. Leistungssport verlangt harte Arbeit und Disziplin. Er zeigt, dass man auch mit x-fach zusammengeflickten Knochen und Bändern volle Leistung erbringen kann. Umso mehr erschüttern uns Berichte, dass es Sportler gibt, die dopen. Wir haben uns zwar von der olympischen Idee „dabei sein ist alles“ schon lange verabschiedet. Es zählen nur die Medaillengewinner, nur diese sind Heroen und können unter Umständen Millionen verdienen. Aber, dass man deswegen mit verbotenen Mitteln dem Erfolg nachhilft – nein, auf so eine Idee wären wir nie gekommen.

Von den Vertretern der Kirchen hört man auch viel Böses, aber das liegt meist schon einige Zeit zurück und damals ist man mit Kindern doch allgemein nicht zimperlich umgegangen. Die eigentliche Vorbildwirkung geht eben doch nach wie vor von der Familie aus, und da haben wir uns nun wirklich nichts vorzuwerfen. Wir erziehen unsere Kinder zu rechtschaffenen Menschen – na ja, die meisten jedenfalls versuchen es. Wir stellen klare Regeln auf und achten darauf, dass diese strikt eingehalten werden, so wie wir es vorleben. Natürlich wird jeder vernünftige Mensch darauf schauen, dass er Steuer sparen kann, auch wenn das eigentlich nicht immer legal ist. Man will doch dem Staat nichts schenken. Dass man bei Versicherungsschäden ein wenig schwindelt, ist sowieso normal, die verdienen doch genug. Und, ehrlich, wer hält sich schon an Geschwindigkeitsbegrenzungen im Verkehr? Mit den zwischenmenschlichen Beziehungen klappt es, wie man allenthalben hört, auch immer seltener, aber Scheidungskinder erhalten so immerhin wichtige Einsichten für ihr zukünftiges Leben. Vollkommen fremd ist uns jede Art von Rassismus. Uns sind alle Menschen recht, wenn sie nur zuhause bleiben. Schon gar nichts haben wir gegen Schwarze. Wir überlegen uns sogar wie man statt „Mohr im Hemd“ sagen kann. Aber sie sollen in Afrika bleiben und einmal so fleißig arbeiten wie wir. Aber leider kommen immer wieder welche nach Europa. Die handeln alle, wie man ja weiß, mit Rauschgift. Dagegen müssen wir uns schützen und deshalb sollten die Grenzen wieder geschlossen und überwacht werden. Die Asylanten sollten ja im Einwanderungsland bleiben und das ist auch richtig. Dass wir inmitten Europas leben und daher niemals Erstland für Asylanten sein können, dafür können wir nichts und Griechenland, Spanien und Italien haben sowieso schon so viele Probleme, da kommt es doch auf ein weiteres nicht mehr an.

Ich will nicht ungerecht sein, es gibt sehr viele Menschen, die ihre ganze Kraft einsetzen, um anderen Menschen zu helfen, aber die schaffen es meist nicht in die Schlagzeilen auf Seite 1, denn wie es richtig heißt „nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“ für die Medien. Wir würden ja auch gerne mehr machen, aber seien wir doch ehrlich, wieso denn immer wir, sollen doch einmal die anderen vorangehen. Wer hilft denn uns?

Also, von ein paar winzigen menschlichen Schwächen abgesehen, sind wir Erwachsene doch ein leuchtendes Vorbild für die Jugend, an dem sie sich orientieren können. Ich versteh nicht, was ist bloß los mit unserer Jugend?

Peter Staudinger

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