Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unsererZeitung KINDERSCHUTZAKTIV.

Harmlose Party??

Karin Dobler

Da kommt die 10jährige Tochter mit einer Einladung zu einer Geburtstagsfeier nach Hause – freudestrahlend, die erste Einladung, die sie in der neuen Schule erhält. Die gleichaltrige Klassenkollegin lädt in den Bogi-Park, das ist ein Indoorspielplatz im 23. Bezirk. – Wir haben es geschafft, diesem Animationsspielplatz in den letzten 10 Jahren auszuweichen, aber gut, wenn dort jemand ein Fest gibt, dann wird man dem Nachwuchs die Teilnahme nicht verwehren. Stutzig macht kurz der Zeitraum, für den die Party anberaumt wird: Freitagabend, 18.30- 21.30.

Muss eine Party für 10- und 11-Jährige tatsächlich zu dieser Zeit stattfinden? – Aber, ok. – Am Partyabend wird die Tochter hingebracht, den Eltern des Geburtstagskindes übergeben und die Abholung für 21.20 vereinbart.

Als ich abholen komme, wundere ich mich: die Halle, die knapp drei Stunden davor noch hell erleuchtet und brechend voll gewesen ist, liegt dunkel. Beim genaueren Hinsehen bemerke ich ein paar helle Pünktchen, als würden einige mit einer Taschenlampe unterwegs sein. Nette Idee, denke ich, eine Schatzsuche im Dunklen.

Wie naiv mein Zugang ist, entpuppt sich wenig später. Ich treffe vor dem Eingang auf eine Gruppe junger Leute, darunter ein ehemaliger Student. Die Frage, ob er auch ein Kind hätte, das auf der Party eingeladen se, verneint er verwundert. Er komme öfter hierher, Laser-Maxx spielen. „Laser-Maxx? Was ist das?“– Ich kenne mich nicht aus. „Man hat eine Laserpistole und eine Art Brustpanzer, verfolgt sich quer durch den Raum, schießt aufeinander, wertet aus. Eine Art Sport. Ganz schön anstrengend.“ – Ich schüttle den Kopf, was es nicht alles so gibt, aber jetzt muss ich meine Tochter abholen.

Die Geburtstagsgäste finde ich in einer halb erleuchteten Nische, sie vergleichen Auswertungsbögen. Mein Kind bittet mich beim Ausgang zu warten, sie werde gleich kommen. – Immer noch in der vagen Hoffnung, sie habe hier an einer Kinderparty teilgenommen, nehme ich sie kurz darauf in Empfang. „Wir haben Laser-Maxx gespielt. Zwei Durchgänge. Ich bin aber nur Letzte geworden.“ –

Sie können sich, liebe Leser/innen, die folgenden Diskussionen und Debatten wahrscheinlich gut vorstellen. Wir haben in den vergangenen 10 Jahren versucht, mit unseren Kindern Gewalt, wo immer sie ihnen begegnet, zu besprechen, sie zu sensibilisieren. Wir haben keine Waffen zuhause, von einem Holzschwert abgesehen, das unser Sohn im Werkunterricht gesägt hat. (Es liegt recht unbeachtet im Kinderzimmer.) Wir haben erklärt, warum wir Gewaltlosigkeit für den besseren Weg halten, den Kindern in Konfliktsituationen geraten, auf gewalttätige Auseinandersetzungen zu verzichten und dem Wort den Vorzug gegeben.

Dass bei einer Kinderparty Kinder Brustpanzer anlegen, mit Laserpistolen ausgestattet und animiert werden, einander zu verfolgen und aufeinander zu schießen, dass sich auch Erwachsene daran beteiligen, das übersteigt tatsächlich mein Vorstellungsvermögen. Was, bitteschön, denken sich Eltern, die das ihrer Tochter zum 11. Geburtstag schenken? Und darauf verzichten, die eingeladenen Gäste bzw. deren Eltern über dieses Vorhaben zu informieren? Und was, bitteschön, veranlasst einen Indoorspielplatzbetreiber, seine Räumlichkeiten nach 19 Uhr an Laser-Maxx-Spieler/innen zu vermieten? Wo bis 19 Uhr Kleinstkinder hüpfen, rutschen, im Bällebad balgen, sind ab 19.30 Uhr Erwachsene und Jugendliche damit beschäftigt, paramilitärische Übungen abzuhalten? Alles nur spielerisch, versteht sich. So wie Paintball, nur halt ohne Farbe.

Im „Spielbereich“, so hat uns unsere Tochter erzählt, hängen Schilder: „Vorsicht, dieses Spiel kann süchtig machen.“ Und heute haben in ihrer Klasse die Eingeladenen erzählt, dass sie so eine coole Party unbedingt auch zum Geburtstag feiern wollen.

Wir haben mit unserer Tochter besprochen, was uns an Laser-Maxx stört, warum wir sie, hätten wir gewusst, was dort passiert, nicht hätten hingehen lassen. Wir haben ihr allerdings auch versprochen, die Eltern des Geburtstagskindes jetzt nicht zu kontaktieren und nachzufragen, ob sie noch alle Sinne beisammen haben. Sie möchte die Freundschaft mit ihrer Klassenkollegin nicht gefährden, was wir verstehen.

Wir haben auch gelernt, dass hinter einer harmlosen Einladung sich eine ordentliche Portion Gewalt verstecken kann, getarnt als cooles Spiel, ermöglicht von „coolen Eltern“. – Sollte ich diesen in der nächsten Zeit begegnen, kann ich nicht garantieren, dass mein Kommentar zu dieser Einladung völlig gewaltfrei meinen Mund verlässt. Und sollten Sie mit Ihren Kindern/Enkelkindern/Schulkindern einen Besuch im Bogipark planen, dann zögern Sie nicht, die Betreiber dort auf die nächtlichen Aktivitäten anzusprechen.

Mag. Karin Dobler ist AHS-Lehrerin, langjährige Universitätslektorin und Vorstandsmitglied des Vereins für Gewaltlose Erziehung – ihre einschlägigen Erfahrungen bezieht sie nicht zuletzt über ihre Tochter und ihren Sohn.

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