Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unsererZeitung KINDERSCHUTZAKTIV.

Johanna im Krankenhaus

Ines Hofbauer

Völlig überraschend und akut musste unsere knapp zweijährige Tochter Johanna im Krankenhaus in Salzburg stationär aufgenommen werden. Es bestand seitens unserer Kinderärztin der Verdacht auf eine ernste Diagnose, obwohl Johanna außer einer Erkältung - die Ursache des Besuches bei unserer Ärztin - für uns keine besorgniserregenden Symptome aufwies. Wir wurden jedoch von unserer Ärztin umgehend in das Krankenhaus überwiesen…

Johanna hatte bis dahin nur im Rahmen von allgemeinen Untersuchungen Kontakt zu
Ärzten. Als Mutter habe ich immer versucht, ihr schon vor jedem Arztbesuch genau zu erklären, was sie erwartet und auch Klara, ihre Puppe, wurde von Johanna in das Geschehen mit einbezogen. Unser Hausarzt horchte daher auch immer Klara mit dem Stethoskop genau ab, und auch noch bei Mama wurde mit einer Lampe das Ohr untersucht.
Alles in allem gab es dadurch bei keiner der notwendigen Untersuchungen eine schlimme Situation zu bewältigen. Vom jeweiligen Arzt bekam sie immer die notwendige Zeit, sich mit neuen Begebenheiten vertraut zu machen und sich den unbekannten Anforderungen selbst zu stellen – allerdings immer in Begleitung ihrer Mama. Zwar etwas zögerlich oder scheu aufgrund der Räumlichkeiten, der fremden Personen oder auch der eigenartigen Geräte war Johanna aber immer bereit, sich auf meinem Schoß sitzend untersuchen zu lassen.
Auch Impfungen konnten so gut bewältigt werden. Dazu muss ich anmerken, dass ich ihr nie verschwiegen habe, dass ein Stich möglicherweise weh tun könnte, dass ich aber vermieden habe, sie bei der Injektion selbst zusehen zu lassen.

Als ich ihr daher an besagtem Nachmittag erklärte, dass wir jetzt nicht nach Hause fahren könnten, sondern in ein Krankenhaus fahren werden, wo sich die Ärzte ihren Bauch gerne ansehen möchten, war sie eher interessiert und gespannt darauf, was auf sie zukommen wird.
Im Krankenhaus angekommen, versuchte ich alles so ablaufen zu lassen, wie bei einem normalen Arztbesuch auch. Die stationäre Aufnahme erfolgte zwar akut, Johanna hatte jedoch keine Schmerzen und es war auch keine akut lebensbedrohliche Situation zu bewältigen. Ich hatte daher die Zeit, ihr vor jeder Untersuchung sehr genau zu erklären, was auf sie zukommen würde, was mit oder an ihr gemacht werden wird und dass manches unangenehm sein würde. Die Schwestern und Ärzte wurden von mir sehr genau informiert, dass ich Zeit brauchen würde, sie auf das Geschehen vorzubereiten und dass damit aber auch Zeit gewonnen würde, weil die Untersuchungen dadurch wesentlich stressfreier ablaufen könnten.

Meine unterstützende Haltung Johanna gegenüber: „Schau, das muss jetzt gemacht werden. Ich weiß, das ist nicht angenehm, aber ich bin immer bei dir, und wir stehen das alles gemeinsam durch! Also – Augen zu und durch, dann schaffen wir das“ hat ihr sehr geholfen. Natürlich waren nicht alle Untersuchungen schmerzlos und auch nicht immer hat Johanna alles freiwillig mit sich geschehen lassen. Aber schon dadurch, dass ich ihr immer aufrichtig gesagt hatte, was auf sie zukommen würde, hatte sie ein genaues Bild des Ablaufes vor sich.  So konnten Ultraschall, ein EKG (mit all den Aufklebern und Schläuchen…) oder diverse Blutabnahmen - mit den Narkosepflastern als Vorbereitung - gut gemeistert werden. Die Ärzte haben sich immer an den erklärten Ablauf gehalten und haben auch wieder Klara, die Puppe, mit in das Geschehen einbezogen. Johanna hatte im Krankenhaus ihre eigene Kleidung an und so war das Fremdgefühl schon allein dadurch gemindert.

Durch meine Mitaufnahme war eine andauernde Begleitung meiner Tochter im Krankenhaus gewährleistet. Sie war  immer in der Nähe ihrer Mama und fühlte sich beschützt, was mit Sicherheit dazu beigetragen hat, dass sie diese Umstellung: ein fremdes Zimmer, der fünf Tage dauernde Aufenthalt und all die Untersuchungen gut bewältigen konnte.
Viele der alltäglichen Anforderungen hatte ich selbst übernommen. So konnte ich die Mahlzeiten in der Küche wärmen, sie teils selbst zubereiten und mit ihr zusammen bei Tisch einnehmen. Mein Klappbett konnte ich direkt neben ihrem Bett aufstellen und Windeln oder Topf wurden, wie zu Hause auch, von mir selbst „verabreicht“. Pflaster oder Verband lösen, Johanna an- und auskleiden, sie für die Nacht oder den Tag zurechtmachen – das alles  gehörte - wie sonst auch – zu meinen Aufgaben.

Manchmal habe ich aber auch Krankenschwestern gebeten, dem Kind ein wenig mehr Zeit zu geben, beispielsweise wenn sich Johanna partout das Krankenhaushemd für die bevorstehende Untersuchung in Narkose nicht überstreifen lassen wollte. Als ihre Mutter kenne ich Johanna sehr gut und weiß, dass sie nach einigen Minuten der Ruhe freiwillig dazu bereit sein wird, das fremde Hemd anzuziehen. Das hat unnötigen Stress, Angst und Abwehr vermieden, und war sicher dem nachfolgenden Untersuchungsablauf förderlich. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch den Ärzten und Krankenschwestern ein Kompliment machen. Sie sind soweit sie irgend konnten, diesen gemeinsamen Weg mitgegangen.
 
Ich möchte an dieser Stelle aber auch meiner tiefen Überzeugung Ausdruck verleihen, und auch mein Mann hat sich sehr deutlich dahingehend geäußert, dass ohne die Begleitung und dauernde Anwesenheit von mir als Mutter mit Sicherheit für Johanna seelischer Schaden entstanden wäre und sie niemals fähig gewesen wäre, diese Situation so gut zu verarbeiten.

Das mussten wir leider gleich wenige Tage nach ihrer Entlassung feststellen, als unvorhergesehen und völlig überraschend während eines nachfolgenden Diagnosegespräches eine Blutabnahme, noch dazu ohne das schützende „Narkosepflaster“, notwendig wurde. Es hat sehr lange gedauert, bis sie diesen für sie so ungewohnten „Überfall“ verarbeitet hatte. Johannas Reaktion und zwar über längere Zeit hinweg waren Unsicherheit und Misstrauen.
Ich habe dieses Erlebnis sehr bedauert und wünsche mir für Johanna, besonders in Hinblick auf eine in naher Zukunft notwendig gewordene Operation, dass wir gemeinsam und auf dem uns vertrauten Weg diese schwierige Phase im Krankenhaus meistern werden.

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