Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unserer Zeitung KINDERSCHUTZ AKTIV.

Editorial Kinderschutz Aktiv Nr. 93

Ich wollte in meinem Editorial über den Frühling schreiben, über jene Jahreszeit, die sinnbildlich für einen Neubeginn steht. Ich wollte das Bild einer vom Schnee befreiten Blumenwiese entwerfen und die Frage stellen, ob sich in diesem Zusammenhang nicht auch persönliche Impulse ableiten lassen. Ich wollte motivieren, gewisse Dinge neu zu denken: Der imaginäre Blick auf eine Blumenwiese im Frühling könnte helfen, so meine Überlegung, jeden Gewaltgedanken aufzulösen. Ich wollte einfach den Vorschlag unterbreiten, eine solche Blumenwiese als Sinnbild der Gewaltfreiheit abrufbar im Herzen zu tragen.

Daraus wird nichts. Statt dessen wird es in diesem Editorial um ein Ende, um einen Abschied gehen. Gert Czermak, der langjährige Begleiter an meiner Seite, wenn es um Belange des Österreichischen Kinderschutzbundes ging, hat seinen Kampf, den er seit einem Jahr geführt hat, verloren. Er, der sich unentwegt und unerschütterlich in den Dienst der Gewaltprävention gestellt hat, musste einer höheren, nicht überwindbaren Gewalt weichen.

Was ihn auszeichnete, war seine Zähigkeit. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, versuchte er es auch umzusetzen und er hatte es sich schon vor langer Zeit in den Kopf gesetzt, Gewalt gegen Kinder als völlig unakzeptabel zu brandmarken. Obwohl alle Mitarbeiter des Vereines ausschließlich ehrenamtlich tätig sind, bedarf es doch erheblicher Anstrengungen, um jene Mittel auf die Beine zu stellen, die notwendig sind, um unsere Aktivitäten umzusetzen.

Gert Czermaks Ideenpool wie unser Tätigkeitsspektrum finanziell abgesichert werden könnte, versetzte mich immer wieder in Erstaunen. Die Quellen, die er erschloss, nötigten einem Bewunderung ab. Gelang es ihm, jemanden in ein Gespräch zu verwickeln, so war immer der Verein siegreich. Gert drängte und drohte, lobte und verteilte Zensuren aber er wich keinen Millimeter zurück, wenn es um die Position der Gewaltfreiheit ging.

Wir hätten schon des Öfteren ergiebige Beträge lukrieren können, wenn wir bestimmte Haltungen aufgegeben hätten. Doch da kannte Gert Czermak keine Kompromisse, er war der Fels in der Brandung, an dem jeder Versuch einer Aufweichung des Gewaltbegriffes zerschellte.

Ich weiß schon jetzt, so kurz nach seinem Tod, was ich, was wir verloren haben. Als Zeichen besonderer Intimität ruft mich meine Frau manchmal mit meinem Familiennamen: „Vielhaber, wir sollten das so machen“. Das hat Gert besonders gefallen, diese lockere Verbindung von Formellem und Privatem. „Vielhaber, das sollten wir so machen“, wurde zu einem seiner Stehsätze.

Was soll ich jetzt noch sagen? „Klar, Czermak, das machen wir so ... nur, ich hätte doch so gerne noch viel länger „Gert“ zu dir gesagt.

Christian Vielhaber

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