Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unserer Zeitung KINDERSCHUTZ AKTIV.

Editorial Kinderschutz Aktiv Nr. 95

Der Sommer ist vorbei, und die meisten von uns sind schon wieder fest eingesponnen in ihre alltäglichen Routinen, und routiniert nehmen wir auch wieder die mediale Berichterstattung wahr über Krisen, Konflikte und Katastrophen. Ich möchte gerne in diesem Editorial ihre Aufmerksamkeit auf die Gewöhnungseffekte medialer Berieselung richten, denen wir allen ausgesetzt sind.

Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass die vermittelten Inhalte meist überhaupt nicht mehr in Frage gestellt, sondern ohne weiteres konsumiert werden. Wir sind natürlich alle interessiert daran, ob und in welchem Ausmaß Entwicklungen globaler aber auch nationaler und regionaler Größenordnungen Einfluss auf unsere Lebenswelt nehmen, uns direkt und unmittelbar berühren. Vor lauter Ich-Bezogenheit geht uns aber sehr oft der Blick dafür verloren, dass Entwicklungen auch Auswirkungen auf die aktuelle und künftige Lebenswelt unserer Kinder haben – nur im Rahmen der derzeit gängigen medialen Vermittlungsstrategien spielen diese Konsequenzen keine besondere Rolle. – sie bleiben medial weitestgehend unberücksichtig.

Ich denke daher, dass es kein Zufall war, dass in den Sommergesprächen, die im Fernsehen mit den Parteiobersten unseres Landes geführt wurden, kein einziges Mal das Wort „Kind“ gefallen ist, denn auch auf vielen anderen medialen Bühnen werden Kindern nur unbedeutende Nebenrollen zuerkannt und ihre Betroffenheiten nicht besonders herausgestellt. So führte der aktuelle Lehrer/-innenmangel zu einem richtiggehenden Hype im nationalen Blätterwald und fast überall wurde darauf hingewiesen, dass an vielen Schulen noch nicht graduierte Studierende angeworben werden, um zu unterrichten. Niemand hat aber bisher problematisiert, welche Auswirkungen das möglicherweise für die Schüler/-innen haben könnte. Ist die Beurteilung einer Schüler/-innenleistung durch einen nicht graduierten Lehrers gleich gültig mit jener von Lehrenden, die das Studium abgeschlossen haben? Wohl niemand von uns Erwachsenen ließe sich mit der Diagnose eines Famulanten abspeisen, wenn die eigene Gesundheit am Spiel steht. Woran liegt es also, dass wir die Beurteilungsmacht, die einer Person ohne abgeschlossenem Studium zuerkannt wird, so ohne weiteres akzeptieren? Sollte es wirklich daran liegen, dass die direkt Betroffenen eben bloß Kinder und Jugendliche sind? Das wäre wohl ein fataler Befund, aber er passte in das Bild, das ich eingangs skizziert habe: Kinder sind – leider – noch immer nicht ausreichend im Fokus unseres Denkens und die vielen verfügbaren Medienkanäle leisten meiner Ansicht nach noch viel zu wenig, um das zu ändern.

Wir haben unsere Mitglieder- und Abonnentenpreise geringfügig angehoben. Die Kosten sind einfach enorm gestiegen. Bitte haben Sie dafür Verständnis und bleiben Sie uns trotzdem gewogen,

Ihr

Christian Vielhaber

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