Österreichischer Kinderschutzbund - Verein für gewaltlose Erziehung

Kinder sind unschlagbar

Auszüge aus unserer Zeitung KINDERSCHUTZ AKTIV.

Editorial Kinderschutz Aktiv Nr. 97

Diesmal darf ich Ihnen im Editorial einige Informationen in eigener Sache übermitteln. Das Jahr 2013 ist für uns, die den Verein für Gewaltlose Erziehung vertreten, ein wichtiges Gedenkjahr: Hans Czermak unser Vereinsgründer und zu seinen Lebzeiten unermüdlicher Vorreiter in Fragen der Gewaltlosigkeit gegenüber Kindern wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Um dieses Ereignis entsprechend zu würdigen, bereiten wir eine Reihe von Veranstaltungen vor. Die wichtigste wird in Kooperation mit der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit unter dem Motto: „Kinder schützen – jetzt!“ von 4. – 6. April 2013 stattfinden. Die Liga unter der Führung von Prim Dr. Klaus Vavrik wird ihre erste Jahrestagung zur Gänze diesem Thema widmen. Die entsprechenden Informationen finden sie im Inneren des Heftes. Wir würden uns freuen, wenn sich viele unserer Mitglieder und Freunde von dem Programmangebot angesprochen fühlen und an dieser Veranstaltung teilnehmen.

Unserer Ansicht nach hat der Stellenwert, der dem Kinderschutz in einem Land zukommt, auch sehr viel mit der grundsätzlichen Haltung zu tun, die Kindern gegenüber an den Tag gelegt wird. Das heißt, zeichnet sich eine Gesellschaft durch ein hohes Maß an Kinderfreundlichkeit aus, so kann daraus auch ein entsprechend hoher Standard in Bezug auf Kinderschutz abgeleitet werden. Leider weist Österreich, was die allgemeine Kinderfreundlichkeit betrifft, laut einer Studie, die am 21. 1. 2013 veröffentlicht wurde, ein sehr mageres Ergebnis auf. Von zehn untersuchten europäischen Ländern konnte Österreich gerade noch den drittletzten Platz erzielen und das ist sicherlich kein Resultat, mit dem wir zufrieden sein können. Der Leiter der Studie, Prof. Reinhardt, der von der Stiftung für Zukunftsfragen beauftragt wurde, formuliert sehr konkret, wenn es darum geht, „Kinder- freundlichkeit“ inhaltlich zu interpretieren: „Mehr Krippenplätze und Ganztagsschulen, Einführung eines Betreuungsgeldes oder gesplittetes Elterngeld – dies alles hilft zweifellos vielen Familien. Doch solche Maßnahmen sagen nichts über die Kinderfreundlichkeit im Alltag unserer Gesellschaft aus. Diese würde mit einer Infrastruktur beginnen, die nicht nur auf Erwachsene ausgerichtet ist, sondern stärker auf die Bedürfnisse von Familien und Kinder eingeht sowie einer Arbeitswelt, die die Vereinbarung von Beruf und Familie zulässt. Kinderfreundlichkeit im Alltag umfasst aber auch Kleinigkeiten, von der Wurstscheibe beim Metzger bis zum Nachbarn, der sich nicht gleich beschwert, wenn es nebenan einmal lauter zugeht.“ Genau darum geht es, ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen, dass es nicht genügt, Kindern formelle Zuwendungen in Form von Transferleistungen zu sichern, sondern dass bei allen Entscheidungen, die auf unterschiedlichen Ebenen getroffen werden, die Auswirkungen für Kinder mit bedacht werden, um positive Effekte im Rahmen des „Kindseins“ zu verstärken und negative hintan zu halten. Daran arbeiten wir seit vielen Jahren und wie die Studie zeigt, bedarf es fortgesetzter Anstrengungen.

Wenn Sie der Meinung sind, dass wir auch in Ihrem Sinn „Kinderschutz“ betreiben, so bitten wir um Ihre Unterstützung. Wir haben sie dringend notwendig. – Frohe Ostern und bleiben Sie uns bitte gewogen, Ihr

Christian Vielhaber

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